(en) Korrespondenten-Brief aus Teheran

Zu Internet und “Mundfunk”

Auf den Strassen in Teheran ist es wieder ruhiger geworden. Allerdings hat die Zahl der Fussgänger zugenommen, vor allem auf Plätzen, in Strassen oder Vierteln, in denen Gerüchten zufolge demonstriert werden soll. Reichte im Juni, in den Tagen vor oder nach den Präsidentschaftswahlen, eine Meldung im Internet, so machen sich die Gegner der Regierung heute nur noch auf den Weg, wenn sie miteinander gesprochen haben. Wichtig bleibt das Internet für die Opposition weiterhin, aber der Krieg auf den Datenbahnen hat im Iran zu neuen Kommunikationsstrukturen geführt. Blindes Vertrauen auf Nachrichten verbietet sich für junge Iraner gleich aus zwei Gründen. Mit modernsten Filtersystemen blockieren die Spezialisten der Geheimdienste vor allem Meldungen und Nachrichten, die die Opposition stärken und gar in Bewegung bringen könnten. Gleichzeitig werden aber auch immer wieder Falschmeldungen lanciert, von denen bereits nach Stunden niemand mehr weiss, wer sie ins Netz geschleust hat. Der Internetgläubigkeit folgte eine Phase der Ernüchterung, die mit zunehmender Erkenntnis über die Begrenztheit der eigenen politischen Möglichkeiten, die Verhältnisse zu ändern, einhergeht. Continue reading

Schulterklopfen am Hindukusch

O-Ton aus Afghanistan? Eher ein Alibi. Kritische Distanz? Längst passé. Die deutschen Kriegsreporter lassen sich vereinnahmen und gängeln – und erliegen politisch-militärischer Propaganda.

Wenn unbemannte Flugzeuge in der Bergwelt Afghanistans Aufständische in Höhlen aufspüren und angreifen, kann man davon ausgehen, dass US-Streitkräfte im Einsatz sind. Aber dass Offiziere in Kommandoständen der Luftwaffe in Nordamerika die Drohnen lenken, Raketen zünden und die Geschosse sogar noch bis ins Ziel leiten, überrascht doch. Bis heute werden die Möglichkeiten der modernsten Kommunikationstechniken unterschätzt.

Militärs sind stolz, wenn es ihnen gelingt, ohne Soldaten Krieg zu führen. Vergleichbar groß wäre sicher die Freude in vielen Redaktionen, wenn sie ihre Korrespondenten vor Ort durch Roboter ersetzen könnten. Doch anders als militärische Führungsstäbe versuchen Redaktionen die eigenen Leute so weit wie möglich am Ort des Geschehens zu platzieren. Sind die Mittel vorhanden, wird keine Mühe gescheut, um ihren Einsatz wirkungsvoll zu inszenieren. Denn in Zeiten der Medienkrise gilt es Quoten zu steigern.

Dem Eifer, mit Präsenz eine möglichst große Authentizität zu erzeugen, wird oft das Interesse untergeordnet, die Lage vor Ort abzubilden und zu erklären. Manchmal gelingt es nur, den Schein von Authentizität zu erzeugen. Dieser Mangel aber kann verkraftet werden: Der Korrespondent dient immer häufiger nur dazu, mit seinen Beiträgen Mosaiksteine für ein bereits fertig geplantes

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